D.E.A.D.

AUFBRUCH (15 Monate nach Ausbruch der Verderbnis)

 

Die Kirche war kein sicherer Ort mehr. Als die Verderbnis hereinbrach, suchten Die Menschen zuflucht in der Kirche und bei Gott. Erstaunlich, wenn man bedenk dass sie schon vor Generationen das Glauben verlernt haben. Sie verschlossen sich, vergaßen seine Gebote und seine Stimme verstummte. Vielleicht hat die Kirche eben deshalb in ihrer Funktion als Schutz versagt, oder war sie der neuen Gewalt nie gewachsen? Es heißt die Kirche sei das Haus Gottes, doch er Wohnte hier schon lange nicht mehr. Und auch die Flüchtlinge die glaubten hier sicher zu sein, waren fort. Wer nicht der Verderbnis zum Opfer fiel, floh aus der Stadt und weil es wohl nichts brachte ist anzunehmen dass sie den ganzen verdammten Kontinent verlassen haben. Auch wenn es zweifelhaft war, ob sie überhaupt noch am Leben waren. Die Kirche stand schon Seit Jahren leer. Nur ein Alter Geistlicher hielt sich noch regelmäßig in dem Gotteshaus auf.

Der Protestantische Pfarrer Friedrich Hanson hing sehr an dem alten Sandsteinbau, der nun über ein Jahrzehnt schon nicht nur sein Arbeitsplatz, sondern auch sein Zuhause war. Doch die Verderbnis hat auch die Kirche nicht unberührt gelassen. Die Kirchenglocken werden wohl nie wieder über der Stadt erschallen. Denn als die Verdammten das Land heimsuchten verkrochen sich die Menschen und durch die Mangelnde Wartung der Bauten und die übermächtigen Angriffe dieser Gottlosen war der Turm größtenteils eingestürzt. Jedoch dank der etwas schrägen Lage des Turmes blieb der Hauptbau wie durch ein Wunder unversehrt. Einladend wirkte das rötlichbraune Gebilde aber dennoch nicht.

Die Kirchenpforte war nun schon seit über einem Jahr verriegelt, ja mehr vermauert. Denn die Hölzerne Schwachstelle war mit Steinbrocken verbarrikadiert worden. Nur ein Schmaler unterirdischer gang von der Nahe gelegenen Flussbrücke bildete einen Zugang welcher aber nur den wenigsten bekannt war. Und durch eben diesen Tunnel verschaffte sich Hanson Zugang.

Friedrich Hanson war ein verhältnismäßig junger Pfarrer. Er hatte mal eine Familie, eine Frau, einen Sohn und zwei Töchter. Sie alle kamen bei dem Ansturm der Verderbnis um. Der Pfarrer war sich dessen bewusst, dass er nicht mehr lange bleiben konnte. Zum einen gingen seine Vorräte zu neige – und er wusste nicht wo er noch was auftreiben sollte. Zum anderen glaubte er beim betreten der Kirche beobachtet worden zu sein. Er wusste es war nur eine Frage der Zeit, bis sie Kommen.

Friedrich kniete vorm Altar und sprach das Vater Unser. Voller Schmerzen dachte er an seine Kinder.

„…Dein Reich Komme...“

Vor dem geistigen Auge sah er die Zerstörte Stadt, sein Haus wie es in Asche da lag.

„…wie im Himmel so auch auf Erden…“

Er dachte an seine Freunde und auch seine Feinde – die er trotz dessen dass er Pfarrer war hatte. Er dachte an alle die Er liebte und auch die, die er hasste, und auch die, denen gegenüber er sich anders hätte verhalten sollen

„…vergib uns unsere schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…“

Er hörte das Schaben und Kratzen an der Türpforte, ein leises splittern, das Schaben wuchs zu einem Klopfen, das klopfen zu einem Dumpfen Pochen, das Pochen zu einem grollenden Hämmern und endgültig ein lautes Knarren.

„AMEN!“

In diesem Augenblick wurde die Pforte aus den Angeln gerissen und landetet im Gang mit einem Krach welcher durch die Akustik noch lauter wirkte. Friedrich nahm das schwere goldene Kreuz vom Altar, hielt es in Richtung Pforte und rief die Worte (Eph.6.V.16)

„Ergreift den Schild des Glauben, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen.“ Seine Hände begangen zu zittern im Angesicht dessen was auf ihn zukam. Eine Kreatur die wohl einst menschlich zu sein schien bewegte sich umgeschickt über die Barrikade und näherte sich langsam aber sicher dem jungen Pfarrer. Aber diese Kreatur konnte nichts Menschliches mehr in sich haben. Die Augen schienen in blankem Hass, die Haut wirkte verätzt, das Gesicht entstellt, die Unterlippe fehlte komplett, der Anblick war unerträglich.

Das Kreuz viel polternd zu Boden. Der Verdammte schien von dessen Macht sichtlich unbetroffen und kam entschlossen näher. Friedrich machte einen Satz nach rechts und zog seinen Mantel mit der linken Hand von der Bank in der ersten Reihe. Griff mit der anderen nach dem, sich darunter verbergenden Schrotgewehr, einem Mossberg 535, - ein Schmuckstück, das er von seinem Vater nun schon vor über 7 Jahren geschenkt bekam. - hatte. Nie hätte er erwartet dieses auch wirklich einsetzen zu müssen. Er lud die Waffe durch setzte an und drückte ab. Der Schuss ging aber in der Eile zu weit links und riss der Bestie lediglich den rechten Arm weg, ein erneutes klicken des Vorderschafts, eine neue Patrone schob sich in den lauf, er setzte an, und Schoss! Dieses mal hatte er besser gezielt der Verdammte brach mit einem aufgerissenen Brustkorb zusammen

Sein Gestank würde noch mehr Bestien anlocken, auch wenn dieser hier tot zu sein schien würde es wohl den anderen eine köstliche Mahlzeit bescheren. Hanson legte den Gurt der Mossberg glatt über die Schulter und zog sich seinen Mantel über. Andächtig und den Kadaver meidend verließ er sein Heim. Draußen begann es zu regnen, er zog seinen Mantel enger und warf einen letzten blick auf das Gotteshaus.

Die Kirche war kein sicherer Ort mehr.

6.3.07 18:42

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